In Österreich wurden die meisten Gebäude vor 1980 errichtet — zu einer Zeit, als Energieeffizienz keine Rolle spielte. Ein unsanierter Altbau verbraucht pro Quadratmeter oft das 3–5-fache eines Neubaus. Das heißt: Selbst die beste Wärmepumpe bringt im schlecht gedämmten Haus wenig, wenn die Wärme durch Wände, Dach und Fenster entweicht.
Was dämme ich wann und wie?
Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist die wirksamste Einzelmaßnahme. EPS- oder Mineralwollplatten werden außen auf die Fassade geklebt und verputzt. Bis zu 25–35% des Heizwärmebedarfs entfällt auf Wandverluste — der größte Posten.
Varianten: WDVS (außen, am häufigsten), Innendämmung (bei Fassadenschutz), vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF, hochwertiger). Bei Holzriegelbau auch Gefachdämmung möglich.
Warme Luft steigt nach oben — ein ungedämmtes Dach verliert enorm viel Wärme. Gleichzeitig ist die Dachdämmung oft die günstigste Maßnahme mit der schnellsten Amortisation: Bei begehbarem Dachboden reicht Einblasdämmung oder Auflegedämmung auf der Geschossdecke.
Varianten: Zwischensparrendämmung (bei ausgebautem Dachgeschoss), Aufsparrendämmung (vollständige Dämmebene, teurer aber besser), Einblasdämmung (günstig bei begehbarem Dachboden).
Die Kellerdecke trennt den beheizten Wohnraum vom unbeheizten Keller. Dämmplatten werden von unten an die Kellerdecke geklebt oder geschraubt — keine Baustelle im Wohnraum, günstiger Einstieg in die Sanierung. Fußböden werden spürbar wärmer.
Auch Erdreichdämmung (unter dem Estrich) möglich, aber aufwendiger. Als erste Sanierungsmaßnahme besonders empfohlen: schnellste Amortisation, geringster Aufwand.
Moderne 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasungen (U-Wert 0,5–0,7) sind gegenüber alten 2-Scheiben-Fenstern (U-Wert 2,8) eine dramatische Verbesserung. Neben Energieeinsparung: weniger Kaltluftabfall, keine Kondenswasser-Bildung, besserer Schallschutz.
Wichtig: Bei Fenstertausch auch die Laibungsdämmung erneuern — dort entstehen sonst Wärmebrücken. Einbau durch Fachbetrieb für korrekte Luftdichtheit.
Was bringt wie viel?
Für ein typisches österreichisches EFH (Baujahr 1970–1990, 150 m², 25.000 kWh Heizwärmebedarf), Einsparungen kumulierend berechnet:
Richtwerte — variiert je nach Ausgangszustand, Ausführungsqualität und Klimazone. Quelle: klimaaktiv.at · AEA Sanierungsratgeber 2024.
Die richtige Reihenfolge
Sanierung und Heizsystemwechsel müssen aufeinander abgestimmt werden. Die Faustformel: erst dämmen, dann die passende Heizung wählen.
Kostenloser Energieausweis oder Energieberatung beim Energieinstitut des Bundeslandes. Zeigt wo die größten Verluste sind und welche Maßnahmen sich am meisten lohnen. Oft Voraussetzung für Förderungen.
Kostenlos — klimaaktiv.atDie günstigsten Maßnahmen mit der schnellsten Amortisation. Kein Eingriff in die Fassade, kein Gerüst, kaum Wohnraumbeeinträchtigung. Ideal als erster Schritt — sofort spürbar durch wärmere Böden und gleichmäßigere Temperaturen.
Sanierungsbonus beantragenSowieso-Maßnahme wenn Fenster älter als 20–25 Jahre: beim ohnehin fälligen Tausch auf 3-fach-Verglasung upgraden. Kombination mit Laibungsdämmung und neuer Außenfensterbank nicht vergessen.
Förderung prüfenDie größte Investition, aber auch die größte Wirkung. Sinnvoll wenn Fassade ohnehin saniert werden muss (Risse, abblätternder Putz). Planung mit Architekt oder Energieberater empfohlen. Kombination mit Sanierungsbonus und Wohnbauförderung möglich.
Größte FörderbeträgeNach der Dämmung: Heizlast neu berechnen lassen. Das Ergebnis überrascht oft — die Wärmepumpe kann jetzt kleiner dimensioniert werden, die Effizienz ist deutlich höher. Fußbodenheizung nachrüsten wenn möglich (Estricherneuerung nutzen).
Wärmepumpe optimal Heizförderung + EAG PVSanierung + Wärmepumpe + PV = maximale Unabhängigkeit
Ein vollsaniertes Einfamilienhaus braucht nur noch 8.000–12.000 kWh Heizwärme statt 25.000 kWh. Eine Luftwärmepumpe mit SCOP 4,0 benötigt dafür nur 2.000–3.000 kWh Strom. Eine 10 kWp PV-Anlage produziert 10.500 kWh/Jahr. Das Ergebnis: Die PV-Anlage deckt den Heizstrom-Bedarf der Wärmepumpe komplett — Heizkosten nahe null. Förderungen für alle drei Maßnahmen sind kombinierbar.
Was der Staat dazuzahlt
Alle Förderungen: Antrag VOR Baubeginn stellen. Energieberater hinzuziehen — zahlt sich aus. Bund- und Landesförderungen sind meist kombinierbar. Quellen: umweltfoerderung.at · BMK · klimaaktiv.at 2026.